Vor ein paar Tagen bin ich vom Corporate Learning Camp 2026 (CLC 2026 – siehe Aufkleber links im Bild) in Hamburg zurückgekommen – erschöpft, irritiert, inspiriert und tota l bereichert. Und voller Dankbarkeit, dass ich mich dazu entschieden habe, diesmal keine Kosten und Mühen zu scheuen und live in Präsenz dabei zu sein – anders als beim CLC2025 und zum ersten Mal wieder seit 2019 in Koblenz (der abgeschabte Aufkleber rechts auf dem Bild ist von damals): Ich war mittendrin statt nur dabei!
In der wirklich schönen Beruflichen Hochschule Hamburg (BHH), die vor Ort Gastgeberin war, habe ich viele Menschen getroffen, gesprochen und umarmt, die ich bisher vor allem vom Bildschirm kannte. Zudem habe ich wunderbar gegessen, getrunken und sogar getanzt! Ich habe unerwartete Lerngelegenheiten entdeckt – und nebenbei bin ich mehrfach über meinen Schatten aus der eigene Komfortzone herausgesprungen. All das hätte ich online nicht getan.
So musste ich – weil es das Protokoll eines Barcamps so will – gleich zum Einstieg zum ersten Mal springen. Das Camp startete nämlich damit, dass sich alle 170 Teilnehmenden vor Ort sowie die zig Menschen, die online zugeschaltet waren, selbst vorstellten. Soll heißen: Plötzlich hatte ich ein Mikrofon vor der Nase und sagte – erfolgreich! – meinen Namen und meine Hashtags (#strongertogether und #ZwischenKIundMI). Wobei, so plötzlich war es gar nicht da. Ich sah es langsam und bedrohlich auf mich zu kommen und hätte also Zeit gehabt, schnell einen Kaffee holen zu gehen. Hab ich aber nicht! Yes.
Loslassen lernen – oder auch nicht
In den Barcamp Sessions war ich dann erstmal safe: Ich konnte entspannt gute Inhalte abgreifen, spannende Diskussionen verfolgen und in schlauer Runde mit anderen weiterdenken. Zum Beispiel in meinem Auftakt-Slot bei der Bildungsvordenkerin Anja C. Wagner: Sie hatte das Konzept der Exnovation mitgebracht, also den – unglaublich vernünftigen – Gedanken, dass man auch mal was Altes loslassen muss, wenn man ständig Neues verarbeitet. Nur wie? Denn es gibt viele Mechanismen, die dafür sorgen, dass wir am Alten, Bewährten und Liebgewonnenen hängen (mehr dazu hier im Blog von Anja).

Ein Vorschlag dafür: „Kill your Darlings“ – offenbar eine Methode, die hilft, liebgewonnene Routinen nicht nur loszuwerden, sondern sie würdevoll und auch emotional (und damit effektiv) zu verabschieden. Ausprobieren konnten wir sie leider nicht. Denn wir konnten uns nicht einigen, welchen Darling wir denn nun live vor Ort killen sollten: Powerpoint-Schlachten? Klassische Feedbackrunden? Video-Selbstlern-Kurse? Die Liste war lang, die Argumente waren zahlreich, die Unsicherheiten groß. Und am Ende kamen mal wieder alle Darlings mit heiler Haut davon.
Und auch die Frage in die Runde, ob wir selbst denn schon mal einen Darling erfolgreich gekillt hätten, blieb unbeantwortet. Im Austausch wurde immer deutlicher, wie schwer das mit dem Loslassen ist – selbst in der disruptiven Corona-Phase hatten alle v.a. neue Dinge eingeführt, ohne sich von den alten zu trennen. Hier suche ich auch persönlich immer noch nach einer Antwort (würdevoll getrennt habe ich mich bisher noch nicht mal von meinem Festnetzanschluss).
Podcasting kann man lernen
Beim Mittagessen wurde ich dann ganz freundlich zum nächste Sprung begleitet von Gina und Oliver: Mit den beiden speiste ich zufällig am gleichen Tisch und fragte sie nach ihrem kryptischen Pitch vom Vormittag. Und weil sie so begeistert und wahnsinnig nett waren, bin ich ihnen dann in ihre Session gefolgt und habe nicht, wie eigentlich geplant, das Ministerium für Zukunft kennengelernt, das ich eigentlich schon gut kenne (ich habe sogar den Gründer schon interviewt: https://emag.tw-media.com/mai-2025/patrick-rammerstorfer).
In ihrer Session (Titel: „Claudia Schiffer macht Podcast“) stellten die beiden mit zwei anderen ihre Lernreise hin zum Podcasting vor, die auf dem Corporate Learning Camp 2024 mit einem ähnlichen Pausengespräch begonnen hat – und ich stellte mich einem Thema , das mich schon seit Jahren zwar reizt, aber vor allem auch einschüchtert. Diese Scheu teilten die vier jedenfalls nicht, als sie damals loslegten: „Alle waren motiviert und niemand wusste, wie’s geht“, erklärte Oliver lachend. Mit Hilfe des LernOS-Guides zum Thema, den sie bei regelmäßigen Online-Meetings gemeinsam durcharbeiteten, haben sie das geändert. Inzwischen wissen sie wie’s geht und haben fast alle schon erste Podcasts veröffentlicht!
Ich fand das so inspirierend, dass ich im Anschluss direkt beim Thema blieb. Ich besuchte deshalb nicht nur die Einführung in die notwendige Technik (von Kopfhörer über Mischpult bis zur Software zum Editieren) mit Simon und Giovanna, sondern auch die Session, in der diskutiert werden sollte, ob es noch einen weiteren – neueren, größeren, regelmäßigeren – Podcast in der Corporate Learning Community braucht. Eine klare Antwort gab’s da nicht, dafür ein wunderbarer Austausch darüber, was Podcasts eigentlich sind oder sein können. Einige Gedanken der Anwesenden dazu:
- „Erzählen, um zu inspirieren – darum geht es für mich beim Podcasting“
- „Für mich steht das Teilen, nicht das Senden im Fokus – deshalb sollten wir uns gar nicht um Zielgruppe kümmern.“
- „In Podcasts speichern wir Wissen und können es dauerhaft abrufbar machen.“
- „Ich bin eine Sprechdenkerin – deshalb ist ein Podcast für mich auch ein alternatives Lern- und Denkformat: Es macht Sinn, Unfertiges zu teilen, damit es weiter wachsen kann.“
- „Der große Vorteil ist das authentische Sprechen: Jedes Äh, jedes Zögern enthält wertvolle Informationen, die ein Transkript nicht einfangen kann.“
- „Einen Podcast kann man auch als eine Audio-Spielwiese betrachten: Es muss nicht alle perfekt sein. Im Gegenteil: Redaktionsplan und Jingles schrecken mich eher ab.“
- „Also einfach los und machen – zur Not mit dem Handy!“
Universe, I hear you again
Das Camp lief damit anders, als ich es geplant hatte. Durch meine kleine Entscheidung – bzw. das zufällige Treffen zuvor beim Mittagessen – wurde ich nachhaltig aus der Komfortzone gelockt. Das ist Serendipity wie ich sie verstehe. Will mir das Universum also mal wieder etwas sagen (nachdem es mir mit der DoOO-Initiative der CLC schon mal einen hilfreichen Wink gegeben hat)? Jedenfalls habe ich mich eingelassen und Lernerlebnisse bekommen, mit denen ich nicht im Traum gerechnet hatte. Mal schauen, was ich damit nun mache. Jedenfalls werde ich das Thema Podcasting nicht auf sich beruhen lassen – das ist zumindest mein großer Vorsatz.
Beim Dranbleiben (und dem Dran-Glauben) hilft mir vor allem mein letztes erstaunliches Herauslehnen aus der Komfortzone am Nachmittag des zweiten Tages kurz vor Schluss: Da habe ich selbst ein Headset aufgesetzt und wieder in ein Mikrofon gesprochen – und deutlich mehr gesagt, als meinen Namen!

Ermuntert hatte mich Christoph, der den Podcast-Tisch während des CLCamp2026 betreute und sich dort immer wieder von Teilnehmenden erzählen ließ, was sie in den Sessions erlebt hatten oder was sie gerade sonst so beschäftigt. Hingegangen war ich aus eigenem Antrieb: Ich wollte mir erklären lassen, wie das alles so geht. Das hat er mir auch gesagt – und mich eingeladen, es doch selbst mal auszuprobieren. Klar wollte ich erst nicht. Und dann war’s echt gut. Unter dem Headset fühlte ich mich erstaunlich entspannt – behaglich „abgewattet“ vom Gewusel im Flur und ganz beim Thema und meinem Gegenüber. Deshalb stimmte ich schließlich sogar der Aufnahme zu und konnte mit ihm im Gespräch einen kleinen, persönlichen Rückblick aufs Camp machen! Was rausgekommen ist – keine Ahnung. Ich konnte es einfach so stehen lassen.
Noch viel schöner aber war, dass, gerade als ich fertig war, noch zwei Frauen an den Podcast-Tisch kamen, mit denen ich vorher schon gute Gespräche geführt hatte: Anja und Yvonne setzten ebenfalls Headsets auf und wir reflektierten zusammen das Barcamp-Format und was man mal anders machen könnte (unser Thema vom Kaffepausen-Austausch!). Ein tolles Gespräch, das mir auch nochmal deutlich gemacht hat, wofür das Format so genial ist: zum Festhalten von Ideen, zum Weiterdenken, zum sehr unaufwändigen (Mit-)Teilen! Mein Redeanteil war – erwartungsgemäß – mit Abstand der geringste. Aber still war ich nicht. Wer hätte das einen Tag vorher gedacht?!
Ich jedenfalls nicht 🙂