Diesmal wage ich mich auf techisches Terrain. Und nein, es geht nicht um KI (obwohl ich dazu auch dringend noch einen Lern-Post nachliefern möchte). Sondern um Podcasting. In den vergangenen Tagen und Wochen habe ich nämlich immer mal wieder versucht herauszufinden, wie ich am besten ein Podcast-Gespräch remote aufnehme, also mit Gästen, die nicht im selben Raum sitzen. Und ich habe schnell gemerkt, dass der Mitschnitt eines Conference Call dafür nicht ausreicht. Denn die Audio-Informationen sind hier stark komprimiert und folglich mäßig gut. Vor allem aber landen alle auf einer Spur. Ich kann also die einzelnen Stimmen später nicht getrennt editieren – etwa um Räuspen zu löschen oder die Lautstärke einzeleln anzupassen.
Auf Distanz im Gespräch
Meine Herausforderungen: Ich möchte eine gute Aufnahme auf einzelnen Spuren – also für jede Stimme einen eigenen Track – bei guter Soundqualität und am liebsten mit Video. Und ja, am liebsten hätte ich all das für möglichst gar kein Geld. Denn noch gehe ich das Projekt Podcasting nur als Ehrenamt an.
Mögliche Lösungen, die sich aus meinen Recherchen zunächst ergeben haben:
- Zoom mit lokalen Aufnahmen: Der große Vorteil – diese bekannte Videokonferenz-Plattform ist mir vertraut und höchstwahrscheinlich auch allen, die jemals Gast in einem Podcast sein könnten. Die Hemmschwelle ist also niedrig und ein Gast muss nichts Neues installieren. ABER: Um einen einigermaßen akzeptable Soundqualität (und einzelne Spuren) zu bekommen müsste der Gast aktiv mitarbeiten. Sie oder er müsste die eigene Stimme lokal aufzunehmen (und nur die!), was wiederum ein gutes Mikrophon und unbedingt die Nutzung von Kopfhörern voraussetzt, damit nicht auch die Stimme des Hosts mitaufgezeichnet wird.
- Riverside, Streamyard oder Zencaster: Diese Tools sind speziell auf Podcasting zugeschnitten und bieten entsprechend gute Audio- und Videoqualität. Sie sind zudem offenbar einfach zu bedienen: Gäste nehmen über den Browser teil, nachdem sie auf einen Einladungslink geklickt haben. Allerdings müssen sie – je nach Tarif – auch hier mitarbeiten, um die eigene Stimme lokal aufzunehmen und am Ende die gespeicherte Datei in die Cloud hochladen, damit ich sie nutzen und editieren kann. Weitere Nachteile: Sie kosten nicht wenig – und v.a. sind sie aus den USA.
- Studio Link mit Ultraschall: Diese Open-Source-Lösung aus Europa bietet leider keine Möglichkeit für Video-Calls. Dafür ist sie fast kostenlos und die Audioqualität ist so gut, als säße man am selben Tisch – und zwar mit bis zu sechs Personen. Und einfach zugänglich ist sie auch. Zahlt man einen kleinen Monatsbeitrag, können Gäste auch einfach per Klick im Browser teilnehmen.
Okay, dann eben Studiolink
Meinen Bauch sagt schließlich ja zur europäischen Open-Scource-Lösung und ich installiere mir Reaper mit den deutschen Podcast-Plugin Ultraschall. Die wurde mir schon auf dem CLCamp in Hamburg wärmstens empfohlen, eigentlich hätte ich mir den Rechercheaufwand also sparen können. Zögern ließ mich allerdings der erste Eindruck der etwas nerdigen Präsentation des Projekts. Und meine ersten unsicheren Schritte damit waren nicht eben geschmeidig.
Aber nun denn. Ich will ja lernen.
So wage ich mich als an die einschüchternd wirkende Digital Audio Workstation (DAW) Reaper. Sie wurde für die Musikproduktion entwickelt – und ja, sie ist auch US-amerikanisch. Immerhin ist sie aus einem kleinen, unabhängigen Unternehmen und hat kein Abo-Modell, sondern wird per Einmalzahlung lizensiert. Außerdem gibt es dazu das schon erwähnte deutsche Podcast-Plugin Ultraschall – und das ist Open Scource, wie auch die darin enthaltene Studio-Link-Erweiterung. Und die probiere ich jetzt aus.
Ich entscheide mich dafür, die kostengünstige Standard-Version zu testen. Anders als in der noch günstigeren Basis- und der Gratis-Version können Gäste hier auch teilnehmen, ohne sich Software installieren zu müssen (dafür gibt es die kostenlose „Standalone-Version“ für Windows, Mac oder Linux). Sie können sich per Klick im Browser zuschalten und ich muss sie nur noch überzeugen, mit Headsets teilzunehmen, damit keine Echos entstehen.
Das Anlegen meines ersten Projekts klappt dank der vorgegebenen Templates gut. Ich höre mich selbst im Echo-Test von Studio Link und auch die schöne Gitarrenmusik im Musik-Kanal. Ob es auch mit den Kolleginnen später klappt? Es bleibt spannend…
Und die Video-Option? Die könnte ich mir theoretisch dadurch verschaffen, dass ich parallel zur Studio-Link-Aufnahme einen Signal- oder Zoom Call laufen lasse und alle daran erinnere, die Mikros dort stumm zu schalten. Nur dann hören wir uns ausschließlich auf Studio Link und nur dann kann die gute Aufnahme entstehen, für die ich das alles hier ja überhaupt mache…
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