Future Skills

Wie machen wir uns fit für die Zukunft, genauer: für die Veränderungen und Umbrüche, die auf uns warten? Was müssen wir dafür lernen und können? Und welche Tools und Konzepte helfen uns dabei? Diese drei Fragen beantwortete Sirkka Freigang, Lernexpertin und Futuristin, im letzten Teil der Online-Event-Reihe „Smart Learning“, die sie mit WBS TRAINING seit November 2024 anbot. Leider hatte ich die ersten fünf Ausgaben der Reihe verpasst. Dank meines neuen Zukunftsfokus war ich aber immerhin noch rechtzeitig auf den sechsten und letzten einstündigen Online-Workshop aufmerksam geworden. Das Thema „Zukunftsorientiertes Lernen – Strategien und Methoden für den gesellschaftlichen Fortschritt“ hatte mich sozusagen selbst gerufen – und zwar hüpfend und winkend.

Ab in die Zukunft

Die promovierte Wissenskreateurin und Forscherin gliederte ihren Workshop in vier Teile, in denen sie sich dem Thema „Zukunftsfähig werden“ von mehreren Seiten näherte.

Zuerst stellte sie die Technik Foresight als Strategie vor: Die Methode Foresight umfasst Techniken wie Delphi-Verfahren, Trendanalysen und Szenario-Techniken, mit denen sich systematisch „in die Zukunft“ schauen lässt, d. h. Entwicklungen werden frühzeitig erkannt und können logisch weitergedacht werden. Das kann in unruhigen Zeiten als Kompass dienen und es leichter machen, Entscheidungen zu treffen.

Zweitens führte sie Future Skills als Framework ein. Foresight nämlich kann zwar viel, allerdings nicht die Zukunft vorhersagen. Deshalb müssen wir noch viel mehr können, um den Weg ins Unbekannte zu meistern. Verschiedene Konzepte beschreiben, welche Fähigkeiten (= Future Skills) das im Einzelnen sind. Das bekannteste ist das Framework von Ulf-Daniel Ehlers mit 17 Kompetenzen (von Kommunikations- und Kooperationskompetenz über Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmtheit bis hin zu Sensemaking und zur Fähigkeit, Ambiguität auszuhalten). Hier eine Übersicht: https://nextskills.org/de/playground/future-skills-finder/

Drittens nahm Sirkka eine dieser Zukunftskompetenzen in den Fokus und beschrieb Futures Literacy als Haltung, die allen anderen zugrundeliegen sollte. Gemeint ist hier ein gewissen Zukunftszuversicht: die Gewissheit, dass die Zukunft nicht einfach über uns kommt, sondern gestaltbar ist, durch das, was wir tun oder nicht tun (diese Haltung habe ich schon hier z.B. beschrieben). Für die Zukunftsforscherin ist dieses zupackende, nach vorne gewandt Selbstvergewisserung die Schlüsselkompetenz im 21. Jahrhundert. Es geht darum, in Utopien statt in Dystopien zu denken – und sich dann daran zu machen, diese auch in Angriff zu nehmen. Es geht also in gewissen Sinne auch darum, sich selbst und die eigenen Hoffnungen und Träume ernst zu nehmen (ACHTUNG: ohne sich Illusionen hinzugeben!).

Viertens und letztens ging es dann um Design Fiction als Methode, um die eigene Zukunftsvision greifbar zu machen. Denn wenn man sich lebhaft vorstellen kann, wo man hin möchte, kann man besonders gut aktiv werden, um dieser Vorstellung näher zu kommen. Design Fiction funktioniert ähnlich wie Design Thinking, nur viel kreativer. Mit ihr entstehen fiktive Zukunftbilder, die aktuelle technische (oder gesellschaftliche, politische, finanzielle …) Einschränkungen außer Acht lassen und die Gegenwart der Zukunft frei und wild beschreiben. Die Szenarien, die so beschrieben werden, haben dann selten noch etwas mit der Zukunft der Gegenwart gemeinsam – also mit den oft düsteren Bildern, die wir uns heute von der Zukunft machen. Das regt unerwartete Diskussionen an und bringt auf neue Ideen, die heute vielleicht doch schon angegangen werden können. Und weil Menschen gern kreativ sind, wenn sie denn dürfen, entsteht so auch Lust auf das, was kommt und darauf, es mitzugestalten!

Nebenbei gab es ganz viele Hinweise auf praktische Tools, hier sind einige, an die ich mich erinnere:

  • Die Megatrend-Map des Zukunftsinstituts, die 11 Großtrends – z. B. Globalisierung, Konnektivität, demographischer Wandel, Identitätsdynamik und Mobilität) beschreibt und zeigt, wie sie miteinander verknüpft sind: https://www.zukunftsinstitut.de/megatrends
  • Die Futurium Zukunftsbox des gleichnamigen Museums in Berlin, die kostenfrei genutzt werden kann – inklusive Kartensets und Miro-Boards für verschiedene Branchen: https://futurium.de/de/bildung/detail/szenariotechnik
  • Die Scenona Cards von FutureGame2050 – ein Kartenset, das 50 Jobs beschreibt, die in den nächsten 25 Jahren Realität werden könnten bzw. dann noch bestehen werden. Alle sind mit inspirierend beschrieben und mit schönen Bildern illustriert – etwa die Mondpräsidentin, die Cyborg-Beraterin, die Schreinerin oder die buddhistische Nonne (das hier gegendert wird, ist Teil des Konzepts): https://www.thefuturegame2050.com/scenonacards
  • Die Futures Skills Lara von frolleinflow (aka Anja C. Wagner), mit der sich die eigenen Zukunftskompetenzen analysieren lassen und ein individueller Lernplan erstellen, um sie zu verbessern: https://chatgpt.com/g/g-QFpbSCSGo-future-skills-lara